Ich habe lange nachgedacht, warum ich in den letzten Wochen immer wieder (Motivations-)Durchhänger hatte. Überlegt, wie ich es endlich mal schaffe, den Alltagsstress zu bewältigen. Und eigentlich lag die Antwort auf der Hand, warum es mir aktuell so schwer fällt. Denn die durchgängige Herausforderung in der letzten Zeit war: Irgendwie ist immer jemand krank.
Aber nein, das war sie irgendwie nicht. Das war nicht die richtige Antwort auf meine Frage. Denn damit kann ich inzwischen umgehen. Es annehmen. Denn es ist eben, wie es ist. Krank ist krank.
Na fast. Wenn ich krank bin, dann kann ich noch überlegen, ob ich mit Ibu & Co. den Tag überstehen will. Oder ob ich mir stattdesssen Ruhe gönne und dann wohlmöglich in total schneller genese. Wenn die Kinder krank sind dann gibt’s diese Möglichkeiten eher nicht. Dann heisst es eben: #stayathome und all das geben und tun, was die Kids schnell wieder fit macht. Verantwortungsvoll fit. Nicht so: gut, Fieber seit 3 Stunden weg: ab in den Freizeitpark.
Und da fängt mein Dilemma an. Und ich weiß inzwischen auch, was mich oft so belastet.
Entscheidungen treffen.
Ich liebe es, wenn getroffene Entscheidungen – die ja auch nicht immer einfach fallen, weil im Familylife meist einer profitiert und der andere eben einfach mitziehen muss – durchgezogen werden können. „Es ist entschieden, so wird’s gemacht.“ Und damit meine ich nicht einmal nur große Entscheidungen. Sondern alltägliches. Was wird gefrühstückt, wann fahren wir los zur Schule, was wird angezogen, wann wird gebadet, wann geduscht? Was sich furchtbar streng anhört, bringt Leichtigkeit in den Alltag. Weniger Diskussionen, mehr Klarheit und ein gutes Tool zum Alltagsstress bewältigen. Jeder weiß morgens, was zu tun ist. Wann Badetag ist, wann Medienzeit ist. Wann die Schuhe angezogen werden müssen. Wann was gepackt werden muss.

Hört sich nach Kaserne an? Haha, manchmal gehts hier auch im Befehlston ab. Aber keine Sorge, es müssen noch genügend Entscheidungen getroffen werden. Die sich jeden Tag aufs Neue ergeben. „Darf ich spielen gehen, darf ich mir xy kaufen? Darf ich noch ein Eis? Kann ich morgen dies und das machen? Darf ich heute bei Dir im Bett einschlafen? Kann der Freund kommen und kann die Mausi zur Freundin? Kann ich dahin oder hierhin?“ Und dann wird überlegt. Passt das, bringt das Konsequenzen mit sich? Habe ich genug Energie? Lust?
Versteht ihr nicht?
Ein Beispiel: Wenn der Große nach der Schule mit zu einem Freund geht, dann muss ihn da ja auch wer abholen. Passt das in den Rest der Tagesplanung? Hat die Schwester ggfs auch etwas vor? Haben wir etwas als Familie vor? Wenn er nicht geht: Habe ich Lust auf eine halbe Stunde Diskussion, warum ich ihn nicht hingebracht habe? Und dann poppen oft bei mir noch so Themen auf wie: Wäre es nicht an der Zeit, dass wir den Freund mal wieder zu uns einladen? Dann die Koordination mit der Mutter des Freundes, … Das ist jetzt alles kein großes Thema und flutscht meist so durch – aber wenn mein Kopf zu voll ist und dadurch gleichzeitig leer, dann stresst mich das hin und wieder. Und dann lass dazu mal noch jemanden krank sein.
Entscheidungen vs Alltagsstress bewältigen
Denn dann heisst es 1000 Entscheidungen zu treffen. Kann das Kind in die Schule / Kita? Welche Medizin? Kann ich schon wieder im Home Office bleiben? Kann der Liebste aufpassen? Nur bis mittags? Kann ich dann übernehmen? Müssen wir Sport absagen? Andere Termine? Habe ich Lust, jetzt erst einmal per Telefon alles abzusagen? Geht per Whatsapp? Wie lange ist er/sie krank? Bin ich zu lieb? Ist krank sein bei uns zu schön? Geht es ihm gut, schlecht? Bin ich eine Rabenmutter, wenn ich das Kind den ganzen Tag auf der Couch parke? Müssen wir zum Arzt? Kaufe ich Medizin, die er / sie sowieso nicht nimmt? Was kann ich zu essen anbieten? Trinkt er genug? Kann ich mein Abendprogramm durchziehen? Wer passt auf? Muss ich alles absagen? Aber so schlimm ist es auch nicht, oder doch? Kommt er einfach mit. Oder schlecht? Zieht es sich dann länger hin? Wie sieht es morgen aus? Wieder in die Kita / Schule schicken? Oder ist das kontra-produktiv?
Und dazu kommt der normale Alltag mit all den Dingen, die es ständig zu entscheiden gilt. Oder zu erledigen. Auch mit Hürden. Gerade mit vielen Krankheitshürden. Irgendwo ist immer jemand krank. Nicht einmal in der Family. Auch im Job, Freundeskreis… Und so heisst es immer wieder: es muss umgeplant werden. Im Job in Sachen Arbeitsteilung, wo 50:50 bei Projekten anstand, habe ich plötzlich 100%. Dabei hatte ich nur noch Platz für 33 %. Und stehe da. Und hoffe, dass es einfach läuft und ich hinterher denken kann: Okay, war easy, hätte ich nicht gedacht.
Es gibt so Wochen, da denke ich am Montag: wie sehr freue ich mich, wenn die Woche so durchläuft, alles wie geplant stattfinden kann und ich am Freitag auf dem Sofa denken kann: geschafft. Gut gemacht!
Und dann fehlt da noch wer. Wo bleibt all die Muße? Im Rush des Lebens. Tja, wo bleibt sie? Der Liebste meinte kürzlich: meditiere doch wieder.
Dafür brauche ich Muße. Die ist aber auch auf der Flucht. Da kann ich sie nicht antreffen.
Yoga möchte ich machen. Das hat mir im Urlaub so gutgetan. Aber noch ein To Do mehr? Ein Termin? Zu dem ich hineilen muss? Und dann ist wer krank? Eine Lösung über die ich gerade nachdenke: Yoga zuhause. Ganz früh am Morgen. Egal, ob wer krank ist oder nicht (außer ich…), kein Ausfall.
Muße brauche ich auch für Kreativität. Deshalb ist es hier gerade ruhiger. Also hier, im Leben eher nicht.
Ich muss meinen Schlüssel zu mehr stillen Momenten noch finden. Aber vielleicht bin ich auch einfach nicht der Mensch dazu. Meine Ma ist es auch nicht. Meine Oma war es nicht. Vielleicht ist das Rush-Gen und das Es-gibt-immer-was-zu-tun-Gen vererbbar. Was ja auch gut ist, ich schaffe viel, sehe viel, mache viel. Auch Dinge, wo andere sagen: Du fährst einfach mal so unter der Woche zum Frühstücken nach Frankfurt. Crazy, da kenne ich nur Dich, die das tun würde. Und ich denke: Aber wenn ich meine Liebsten sehen will, was sind schon 1:30 h Autofahrt mit einem Podcast während der Reise für eine schöne Zeit mit Freunden.
Ich denke noch darüber nach. Denn aktuell, ich sagte es schon: Mein Kopf ist zu voll und gleichzeitig zu leer. Und das ist kein schöner Zustand in Sachen Alltagsstress bewältigen.
Danke!!! 🙏
Ein Statement, das man wirklich eben von Dir so nicht erwartet hätte. Ich gehörte zu der Reihe, die dachte „Okay, sie ist einfach belastbarer und wuppt das so weg🤷♀️“ Verbunden mit der Einsicht, die die letzten Jahre langsam, sehr langsam gedeihen musst, dass ich besser dran bin, wenn ich mir erlaube, ab und an anzunehmen, wie es ist. Eine Sache absagen wegen Mann im Job und Kinder sind krank. Oder schlicht auch bedürftig nach Mamazeit +Zuhause sein. Spüren, dass ich so eine Zwangspause auch ab und an, wenn alles geregelt und delegiert ist, nahezu genieße.
Die Kunst ist da weiterhin, dabei dann auch wirklich nicht mehr zu hadern. Das übe ich weiterhin. Mit diesem Text nun aber irgendwie erleichterter. DANKE!
Liebe Steffi,
wie schön, diese Worte zu lesen! Es hat lange gedauert, bis ich Situationen annehmen konnte, die ich schlicht und einfach nicht ändern kann. Und inzwischen mache ich mir sogar eine schöne Zeit raus, soweit möglich. Auch Zuhause gibts dazu ja Möglichkeiten und die Kids werden es mir sicherlich unbewusst irgendwann danken.
Ich glaube, das Annehmen macht belastbarer – denn wenn man schnell annimmt, hat man Energie für anderes.
DANKE für Dein DANKE!